„Humanitäre Hilfe für Südkamerun“

 

Der Verein unterstützt alle bedürftigen und notleidenden Menschen in „Southern

Cameroon“, z.B.:

 

• Menschen die aufgrund der Niederbrennung und Verwüstung ihre Dörfer,

Läden oder Häuser durch das Militär, ihr Hab und Gut verloren haben.

• Behinderte Menschen bei der Anschaffung von Hilfsmitteln wie z.B. Rollstühle,

Gehhilfen etc.

• Verarmte Kinder beim Kauf von Schulbüchern, Uniformen, Kleidung etc.

• Verarmte Menschen beim Sicherstellen ihrer alltäglichen Grundbedürfnisse

wie z.B. Lebensmittel.


Dez. 2017. Ein Priester besuchte ein Dorf in Mamfe, um sich ein Bild über die Zerstörungen durch

das Militär zu machen. Die Bemühung der Kirche um Dialog zwischen der anglophonen

Bevölkerung und der Regierung blieben erfolglos. Die Regierung geht weiterhin brutal gegen die

Zivilisten vor.


Das Dorf Kwakwa wurde am schlimmsten getroffen. Jan. 2018. Die Armee überraschte die

Bewohner mitten in der Nacht. Sie steckten das ganze Dorf in Brand. Laut Medienberichten gab

es mehrere Verletzte. Eine Oma, die nicht fliehen konnte, wurde bei lebendigem Leib verbrannt.


Feb. 2018. Ein Dorf in der Bui Anglophon Region. Nachdem die Soldaten der Regierung die

Häuser und Läden der Zivilisten verwüstet und in Brand gesteckt hatten, suchten die

Dorfbewohner Zuflucht beim Stammesoberhaupt.


Bitte helfen Sie uns dabei die Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben, zu unterstützen.

Code: „Humanitäre Hilfe“




„Vom Westen unbeachtet: Kamerun versinkt in Gewalt"


Mittelfränkin fürchtet um das Leben ihrer Familie - Polizeigewalt vor Ort - 27.01.2018 14:00 Uhr

NÜRNBERG - Im Westen Kameruns häufen sich Berichte über blutige Ausschreitungen. Der

Sprachenstreit zwischen der englisch- und französischsprachigen Bevölkerung eskaliert seit

Monaten. Eine Kamerunerin aus Mittelfranken sorgt sich um ihre Verwandten.

„30 Zentimeter lange Fleischwunden, blutüberströmte Körper, Eingeweide, die unter den Rippen

herausquellen: Solche Verletzungen zeigen derzeit Bilder aus Kamerun. Im Norden des Landes

verbreitet seit Jahren die Islamistengruppe Boko Haram Angst und Schrecken, nun hat sich auch der

englischsprachige Südwesten zu einer Krisenregion entwickelt. Präsident Paul Biya geht brutal gegen

Demonstranten vor.

 

"Es ist schrecklich. Die Gewalt hat furchtbare Ausmaße angenommen", sagt eine Kamerunerin aus

Mittelfranken, die ihren Namen nicht nennen möchte, um ihre Familie in Kamerun nicht in Gefahr zu

bringen. "Ich habe schreckliche Bilder und Videos gesehen, wie Soldaten auf Anglophone einprügeln,

ihnen Hände und Arme abschneiden oder sie erschießen", sagt sie.

 

Tod durch Polizeikugeln.
Der Konflikt schwelt schon länger, seit Herbst vergangenen Jahres spitzt sich die Lage zu. Bei

Protesten im Oktober dokumentierte Amnesty International (ai), dass 20 Menschen durch

Polizeikugeln starben. Auf Handyvideos ist zu sehen, wie Polizisten unbewaffnete Demonstranten

über leere Straßen schleifen und auf sie einprügeln. Zunächst sprach die Zentralregierung von sieben

Todesopfern, nach einem Bericht von ai bestätigte sie 15 Tote.

 

Es folgten massenhafte, willkürliche Verhaftungen. Amnesty hat 500 Fälle dokumentiert, bei denen

kein einziger Haftbefehl vorlag. " Die Verhaftungen gingen auch über den Rahmen von Protesten

hinaus. Polizisten haben Zivilisten aus Krankenhäusern, Privathaushalten und Kirchen

mitgenommen" sagt Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrika-Expertin bei ai Deutschland. Deshalb seien

viele anglophone Kameruner trotz teils lebensbedrohlicher Verletzungen durch Schusswunden aus

Kliniken geflohen.

 

Englische Organisationen verboten 

Anfang Dezember 2017 kam es laut Medienberichten in der Stadt Mamfe und in Otu, einem kleinen

Ort in der Nähe, zu Angriffen, bei denen laut Regierungsangaben vier Soldaten und zwei Polizisten

erschossen wurden. Anfang Januar wurden die anglophonen Interessenvertretungen "Southern

Cameroons National Council" (SCNC) und "Cameroon Anglophone Civil Society Consortium" (CACSC)

verboten und deren Anführer verhaftet."Dabei agieren diese Organisationen mit friedlichen

Mitteln", so Franziska Ulm-Düsterhöft von Amnesty International.

Zudem wurden Julius Ayuk Tabe, Anführer einer Separatistengruppe der englischsprachigen

Minderheit, und neun seiner engen Mitarbeiter in Nigeria festgenommen. Kamerun hatte

internationale Haftbefehle erlassen und wird sich vermutlich um die Auslieferung der

Festgenommenen bemühen. Laut ai ist dies unzulässig, da die Festgenommenen teilweise bereits

Asylstatus in Nigeria haben. Sie befänden sich aktuell in Einzelhaft und müssten bei einer

Auslieferung befürchten, in ihrer Heimat ohne fairen Prozess verurteilt zu werden.

Reisewarnung für Touristen.
Das Auswärtige Amt warnt Reisende vor der verschärften Sicherheitslage: Sie sollten

Demonstrationen und Menschenansammlungen in den anglophonen Regionen Nordwest und

Südwest meiden, weil es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen könne. "Wir beobachten

die aktuellen Entwicklungen vor Ort mit großer Sorge und sind mit der Regierung Kameruns im

Gespräch", teilt das Auswärtige Amt auf Anfrage mit.

 

"Die Menschen werden abgeschlachtet wie wilde Tiere" sagt Kizito Logan Elad, Rechtsanwalt aus

Berlin, der vor 14 Jahren aus Kamerun floh und die Southern Cameroons Community Germany

(SCCG) leitet. Derzeit sei kaum noch Alltag in dem westafrikanischen Land möglich. "Viele verstecken

sich, Frauen und Kinder bleiben aus Angst vor Vergewaltigungen und Gewalt zu Hause. Dabei haben

die Menschen nur friedlich demonstriert, weil unsere anglophone Kultur zerstört wird." In dem Land

leben 23 Millionen Einwohner. Ein Fünftel von ihnen gehört der englischsprachigen Minderheit an,

die sich seit langem von der Französisch sprechenden Mehrheit benachteiligt fühlt.

Einst deutsche Kolonie

Ehemals deutsche Kolonie, wurde Kamerun nach dem Versailler Vertrag 1919 in ein französisches

und ein britisches Kamerun aufgeteilt. 1961 stimmte die englischsprachige Bevölkerung ab, ob sie

zum englischsprachigen Nigeria oder zum bereits unabhängigen, französischsprachigen Kamerun

gehören wollte. So wurde aus beiden Gebieten die Vereinigte Republik Kamerun.

Im Oktober 2016 protestierten Studierende, Lehrer und Richter friedlich und forderten das Recht,

Englisch in Schulen und an Gerichten verwenden zu dürfen. Doch Präsident Paul Biya ließ das Militär

massiv gegen die Demonstranten vorgehen. Anschließend kam es zu gewaltsamen Protesten, die

wiederum "mit absoluter Härte" niedergeschlagen wurden. Amnesty dokumentierte die ersten

Todesfälle. Die Regierung ließ für mehrere Monate den Schulunterricht aussetzen und das Internet in

der Region abschalten.

Ambazonia soll der neue Staat heißen

"Dass Polizei und Militär gegen friedliche Protestierende vorgehen, vermittelt der anglophonen

Bevölkerung das Gefühl, als nationale Bedrohung wahrgenommen zu werden ", sagt Franziska Ulm-

Düsterhöft. Dadurch würden sich viele erst recht den Unabhängigkeitsbefürwortern anschließen.

"Ambazonia" nennen sie das englischsprachige Gebiet, das sie als eigenen Staat anerkennen lassen

wollen.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. "Inzwischen gibt es auf der anglophonen Seite Gruppierungen,

die zu Gewalt aufrufen oder selbst gebaute Bomben deponieren wollen", sagt Franziska Ulm-

Düsterhöft. "Es wird immer schlimmer. Ich sorge mich sehr um meine ", sagt die Kamerunerin

aus Mittelfranken. "Jeden Tag sterben dort Menschen und keiner tut etwas."

Paul Biya (84), der seit 35 Jahren Präsident ist, regiert das Land mit harter Hand. Im Oktober wird

voraussichtlich neu gewählt; es gilt als sicher, dass Biya wieder antritt. Es gibt auch einen

anglophonen Kandidaten: den Rechtsanwalt Akere Muna (56). Da englischsprachige Kameruner nur

ein Fünftel der Bevölkerung bilden, werden ihm aber kaum Chancen eingeräumt.

Quelle: Nürnberger Zeitung